Die männliche Angst vor der Homosexualität

boys_04.jpgViele erwachsene Männer reagieren auf Schwule häufig aggressiv oder distanziert. Die Angst vor Homosexualität ist bei Männern wesentlich stärker ausgeprägt als bei Frauen. Das ist auffällig. Gewalt gegen Homosexuelle ist verbreiteter als man meint und kommt bezeichnenderweise fast nur unter Männern vor.
Was hinter dem Schimpfwort "Du schwule Sau' steht, ist nicht die Vorstellung; daß zwei Männer sich. lieben können. Das Vernichtende in diesem Spruch liegt darin, daß für Jungen und Männer hinter dem Wort "schwul" die Vorstellung steckt, daß ein "Schwuli" gar kein richtiger Mann ist. Alles, was nicht in das herkömmliche Bild von "männlich" paßt, wird mit diesem Wort bedacht. Die Botschaft dieses Schimpfwortes bedeutet: "Du bist kein Mann!" Und das trifft genau den wundesten Punkt eines Mannes.
Jeder Junge, der nicht alle männlichen Klischees erfüllt, kann in den Verdacht geraten, schwul zu sein. Als Junge und Mann hast du ganz bestimmte Rollen zu spielen. Zärtlichkeit, Gefühl, Zurückhaltung, Sensibilität machen verdächtig. Wer nicht der Macker, der Starke, der ewig Erfolgreiche, der Weiberheld und die Sportskanone ist, wer Angst zeigt oder in der Öffentlichkeit in Tränen ausbricht, gilt als mädchenhaft oder eben schwul. Auch Eltern geraten schnell in eine Identitätskrise, wenn sie von Ihrem Sohn erfahren, daß er homosexuell ist: "Was haben wir nur falsch gemacht, daß aus unserem Sohn kein richtiger Mann geworden ist!" Jungen und Männer werden von der Gesellschaft in ein enges Korsett gepreßt, wie sie zu sein, sich zu verhalten haben. Dies erschwert die Möglichkeit, die Vielfalt ihrer körperlichen und seelischen Empfindungen zu erfahren. Und das gilt nicht nur für die Jungen und Männer, die wirklich vorwiegend homosexuell empfinden.
Mittlerweile ist gewiß, daß Homosexualität im Mann nicht durch besondere Mutter-Sohn oder schwierige Vater-Sohn-Beziehungen bedingt werden. Interessant ist auch, daß in der Untersuchung des amerikanischen Alfred C. Kinsey-lnstituts Anfang der 70erJahre festgestellt wurde, daß heterosexuelle Männer in ihrer Jugend mehr homosexuelle Erlebnisse hatten als später homosexuell liebende Männer. Homosexualität und Heterosexualität sind keine Angelegenheit der Wahl. Vieles deutet daraufhin, daß sie angeboren sind. Jeder Mensch, damit auch ieder Mann, hat Gefühle zu beiden Geschlechter,, die sich nur in der Intensität unterscheiden. Doch weil viele Männer große Angst davor haben, als Nicht-männlich oder "weibisch" zu gelten, werden diese Gefühle verdrängt. Zärtlichkeit zwischen Jungen und Männern ist oft nur im Alkoholrausch oder nach einem Tor beim Fußballspiel möglich. Das was bei Mädchen selbstverständlich ist - umarmen, Händchen halten, einen freundschaftlichen Kuß geben - ist einem Mann meist nicht gestattet.
Ganz egal ob Homosexualität angeboren ist oder nicht, ob ein Junge später einmal einen Mann oder eine Frau lieben wird: Allen Jungen täte es gut, wenn sie die Möglichkeit hätten, mit anderen Jungen sensiblet und sinnlicher umzugehen. Dies würde nicht nur schwulen Jugendlichen ihr "Coming out" erleichtern, das heißt erlauben, in ihrem Freundeskreis, in ihrer Pfarrjugend, in unserem Verband offen zu ihrer Homosexualität und ihrer Liebe zu stehen. Es wäre auch für viele heterosexuell liebende Männer eine Hilfe, ihr Mannsein nicht nur von Klischees bestimmen zu lassen, sondern den eigenen Weg zu finden. Männerfreundschaften müßten nicht so verkrampft den Wunsch nach Zärtlichkeit und Nähe hinter Magenschwingern und Schulterklopfen verstecken.

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