Seelsorge im Klinikum der Technischen Universität München - rechts der Isar

Hier arbeite ich seit März.  2011 als Leiter der katholischen Seelsorge.

Meine Ziel ist ein Seelsorgezentrum mit dem Fokus auf Menschen (Patienten, Mitarbeiter, Studenten), die auf der Suche nach Spiritualität sind, aber für sich noch keinen Ort gefunden haben: Mit ihnen suchen, Wegmarken aus dem Schatz der christlichen Religion zu entdecken und Kraft zu schöpfen in der Begegnung und Erfahrung mit dem Göttlichen, das uns trägt, und liebt.

Dazu gehört heute auch der multikulturelle und multireligiöse Blickwinkel. Mein Traum wäre ein Team von Seelsorgerinnen und Seelsorgern verschiedener kultureller und religiöser Provenienz aber mit einem tiefen gemeinsamen Menschenbild, die für alle Menschen im Krankenhaus offen und zuständig sind.

Neben der Patientenversorgung auch die Forschung und die Lehre im Bereich Spiritualität zu entwickeln ist einer meiner Schwerpunkte. Dazu gehört mein Lehrauftrag in Spiritual Care (Palliativmedizin) an der med. Fakultät der TU München.

Eine menschliche Medizin ist nicht nur durch die Begleitung Einzelner zu erreichen. Daher ist für mich die Arbeit an der Kultur des Krankenhauses und des Gesundheitswesens unabdingbar. (Christliche) Seelsorge muss immer auch einen sozialethischen und befreiungstheologischen Charakter haben.


 

Vorher war ich 12 Jahre lang Seelsorger am Ökumenischen Seelsorgezentrum im Klinikum der Universität München (LMU).

Das Klinikum Großhadern hat ca. 1400 Betten und hat neben den allgemeinen Fachdisziplinen einen Schwerpunkt in Onkologie und Transplantationschirurgie.grosshadern.gif

Neben den allgemeinen Aufgaben als Klinikpfarrer (Gottesdienste, Sakramente) betreute ich eine internistische Normalstation, sowie die Intensivstationen der Anästhesiologie und eine von zwei Knochenmarkstransplantationsstationen.

Das Konzept und weitere Informationen zur Klinikseelsorge der LMU findest Du hier.

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In den vergangenen Jahren hat sich ein Schwerpunkt der Arbeit auf der Intensivstation gebildet.

 

Zufällig stieß ich damals auf das Buch "Schlüssel zum Erwachen" von Arnold Mindell. Seitdem habe ich viele faszinierende Erfahrungen gesammelt.

Es geht um die "lebensprozessfördernde Kommunikation mit komatösen Patienten" (so der Arbeitstitel, den ich für mich gefunden habe).

Worum es dabei inhaltlich geht, erfährst Du auf der Internetseite www.traumland-intensivstation.de

Ziel der Arbeit ist es, Komapatienten darin zu unterstützen, dass sie "ihren" Weg finden und gehen. Blockaden im Lebensprozess überwinden und dem inneren Weg zu folgen, sind Voraussetzungen für erfülltes Leben, auch wenn der Weg äußerlich gesehen in den Tod führen sollte. Aber der Weg kann genauso gut wieder zum Leben wie wir es gewohnt sind zurückbringen. Das können wir von außen nicht beeinflussen. Wir können nur die Bedingungen schaffen, unter denen ein Mensch im Koma seinen Traum fruchtbar nutzen kann. Es gilt die Angst der Ohnmacht zu überwinden und Vertrauen in die inneren Botschaften der Seele im Traumland zu fassen.

Dies zu fördern ist auch Seelsorge. Denn die Seele als Abbild aller dem konkreten Menschen eigenen Lebensmöglichkeiten, ist nach meiner christlichen Auffassung der Ort, wo Himmel und Erde, Ewigkeit und zeitliches Sein des Menschen sich berühren. Die Seele begreife ich als das, was Gott in den konkreten Menschen hineingelegt hat. Gottes Willen zu erfüllen, ihm Raum zu geben ("dien Wille geschehe") heißt für mich, dem in der Seele "gespeicherten" Lebensmöglichkeiten zu folgen, sie zu entfalten und zu leben. Dies zu fördern und zu unterstützen, sehe ich auch als Aufgabe der Seelsorge.

Grundlage für diese Sichtweise ist aber nicht nur die Theologie, sondern auch die Tiefenpsychologie C.G. Jung's. Seine Selbstpsychologie bildet die Grundlage der Prozessarbeit.

Leider ist in Deutschland die Sichtweise noch immer vorherrschend, dass der menschliche Körper eine "Maschine" sei, die der Arzt "repariert" und die unabhängig von den psychischen und seelischen Lebensvollzügen zu behandeln ist.

Das Koma wird meist als "Bewusstlosigkeit" bezeichnet. Doch dieser Begriff negiert schnell andere Bewusstseinszustände, die existent sind und in denen ein Mensch weiterhin ein persönliches, individuelles und vollwertiges Leben lebt; vielleicht sogar oft intensiver als im Alltagsbewusstsein. Kommunikation, Sehen und Gesehen werden spielen in diesen Zuständen eine große Rolle und so bemühe ich mich darum, eine Haltung zu entwickeln, die über die Grenzen des Alltagsbewusstseins hinweg dem Menschen im Traumland Koma begegnet, ihm Wertschätzung und Sicherheit bringt und ihm so hilft, die Abenteuer seines gegenwärtigen Lebensortes zu bestehen mit dem Ziel der inneren Entwicklung und einem Leben in Fülle, was immer das auch für den Patienten bedeuten mag.

Dies ist nur ein Anriss der Dinge, mit denen ich mich beschäftige. Es gäbe noch unendlich mehr zu sagen, doch ist meine Zeit, dies hier niederzuschreiben momentan sehr begrenzt. So soll es für den Anfang mal genügen.

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