Texte, die mir etwas bedeuten....
Texte zum nachdenken....

Der Abgrund ist voll vom Dunkel Gottes,
und wo ihn einer erfährt,
so steige er hinab
und heule darin
(das ist nötiger, als ihn zu überschreiten).

Rainer M. Rilke 1923

„Wer nicht der Fürchterlichkeit

des Lebens irgendwann,

mit einem endgültigen Entschlusse zustimmt,

ja ihr zujubelt,

der nimmt die unsäglichen

Vollmächte unseres Daseins nie in Besitz,

der geht am Rande hin,

der wird wenn einmal die Entscheidung fällt,

weder ein Lebendiger noch ein Toter gewesen sein“


Rainer Maria Rilke

Alles hat seine Stunde.

Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:

eine Zeit zum Gebären / und eine Zeit zum Sterben, /
eine Zeit zum Pflanzen / und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen,

eine Zeit zum Töten / und eine Zeit zum Heilen, /
eine Zeit zum Niederreißen / und eine Zeit zum Bauen,

eine Zeit zum Weinen / und eine Zeit zum Lachen, /
eine Zeit für die Klage / und eine Zeit für den Tanz;

eine Zeit zum Steinewerfen / und eine Zeit zum Steinesammeln, /
eine Zeit zum Umarmen / und eine Zeit, die Umarmung zu lösen,

eine Zeit zum Suchen / und eine Zeit zum Verlieren, /
eine Zeit zum Behalten / und eine Zeit zum Wegwerfen,

eine Zeit zum Zerreißen / und eine Zeit zum Zusammennähen, /

eine Zeit zum Schweigen / und eine Zeit zum Reden,

eine Zeit zum Lieben / und eine Zeit zum Hassen, /

eine Zeit für den Krieg / und eine Zeit für den Frieden.

Wenn jemand etwas tut - welchen Vorteil hat er davon,
dass er sich anstrengt?
Ich sah mir das Geschäft an,
für das jeder Mensch durch Gottes Auftrag sich abmüht.
Gott hat das alles zu seiner Zeit auf vollkommene Weise getan. Überdies hat er die Ewigkeit in alles hineingelegt,
doch ohne dass der Mensch das Tun, das Gott getan hat,
von seinem Anfang bis zu seinem Ende wieder finden könnte.

Die Bibel: Kohelet 3

Tobias und sein Begleiter kamen auf ihrer Reise abends an den Tigris, wo sie übernachteten.
Als der junge Tobias im Fluss baden wollte, schoss ein Fisch aus dem Wasser hoch und wollte ihn verschlingen.
Der Engel rief Tobias zu: Pack ihn! Da packte der junge Mann zu und warf den Fisch ans Ufer.
Und der Engel sagte zu Tobias: Schneide den Fisch auf, nimm Herz, Leber und Galle heraus und bewahre sie gut auf!
Der junge Tobias tat, was ihm der Engel sagte. Dann brieten sie den Fisch und aßen ihn.
Als sie weiterreisten und in die Gegend von Ekbatana kamen,
fragte der junge Tobias den Engel: Asarja, lieber Bruder, wozu sollen die Leber, das Herz und die Galle des Fisches gut sein?
Rafael antwortete: Wenn ein Mann oder eine Frau von einem Dämon oder einem bösen Geist gequält wird, soll man das Herz und die Leber des Fisches in Gegenwart dieses Menschen verbrennen; dann wird er von der Plage befreit.
Und wenn jemand weiße Flecken in den Augen hat, soll man die Augen mit der Galle bestreichen; so wird er geheilt.

Die Bibel: Tobit 6,1-9

Manche Erfahrungen erweisen sich erst viel später als nützlich und hilfreich...

Zwei sind besser als einer allein,

falls sie nur reichen Ertrag aus ihrem Besitz ziehen.
Denn wenn sie hinfallen,
richtet einer den anderen auf.

Doch wehe dem, der allein ist,
wenn er hinfällt, ohne daß einer bei ihm ist,
der ihn aufrichtet.

Außerdem:
Wenn zwei zusammen schlafen,
wärmt einer den anderen;
einer allein, wie soll er warm werden?

Und wenn jemand einen einzelnen auch überwältigt,
zwei sind ihm gewachsen,
und eine dreifache Schnur reißt nicht so schnell.

Die Bibel: Prophet Kohelet, 4. Kapitel 9-12

Fürchte dich nicht,

denn ich rufe dich
beim Namen,
mein bist du.

Gehst du durch das Wasser,
ich bin bei dir,
durch Ströme,
sie werden dich nicht überfluten.

Gehst du durch Feuer,
du wirst nicht verbrennen,
die Flamme wird dich
nicht versengen.

Denn ich, Jahwe, bin dein Gott,
der Heilige Israels ist dein Helfer.
Fürchte dich nicht,
denn ich bin mit dir.

Jeden,
der nach meinem Namen benannt ist,
habe ich zu meiner Ehre geschaffen,
geformt und gemacht.

Die Bibel: Jesaja 43,1-3.5.7

Das Wort des Herrn erging an mich:

Kein Auge zeigte Mitleid, niemand übte Schonung an dir,
sondern am Tag deiner Geburt hat man dich auf freiem Feld ausgesetzt,
weil man dich verabscheute.
Da kam ich an dir vorüber
und sah dich in deinem Blut zappeln;
und ich sagte zu dir, als du blutverschmiert dalagst:
"Bleib am Leben!"
Wie eine Blume auf der Wiese ließ ich dich wachsen.
Und du bist herangewachsen, bist groß geworden und herrlich aufgeblüht.
Ich leistete dir einen Eid und ging mit dir einen Bund ein - Spruch Gottes des Herrn - und du wurdest mein.
Dann habe ich dich gebadet,
dein Blut von dir abgewaschen
und dich mit Öl gesalbt.

Die Bibel: Ezechiel 16,1.5b-7b,?d.8c-9

Ich glaube an Gott,

der für mich
wohl immer unbegreiflich bleiben wird,
unbegreiflich dennoch oder gerade deswegen
für mein Leben.
Der in mir lebt und doch nicht in mir aufgeht.
Der meinem Leben
einen unzerstörbaren Wert gibt,
da er für mich und mein Leid,
ja für das Leid der ganzen Schöpfung,
herabsteigt,
sich in den Morast meines Lebens begibt
und ihn aushält - bis zum Tod.
Er bleibt da, wenn alle anderen bereits geflohen sind.
Er gibt mir Kraft,
wo ich am Ende meines Vermögens anlange.
Er scheut meine Wut nicht,
meine herausfordernden Fragen;
meine Zweifel
lassen ihn dennoch
an der Freundschaft zu mir festhalten.
Er begleitet mich durch meine Ängste hindurch,
ist bei mir,
wenn ich Wege suche zur Freiheit.
Wo Er - Gott - ist,
da geschieht kein Wunder,
doch es wandelt sich der Blick
und der Weg in die Weite steht offen;
da kann ich aufatmen und bleibe am Leben.

Thomas Kammerer

(erstellt auf meinen Exerzitien 2000)

Es gibt Menschen,
deren Aufgabe lediglich darin besteht
die Vermittlerrolle bei anderen zu übernehmen;
man schreitet über sie hinweg,
wie über Brücken und geht davon.

Gustave Flaubert

Der Herr aber schickte einen großen Fisch, der Jona verschlang. Jona war drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches
und er betete im Bauch des Fisches zum Herrn, seinem Gott:
In meiner Not rief ich zum Herrn / und er erhörte mich. Aus der Tiefe der Unterwelt schrie ich um Hilfe / und du hörtest mein Rufen.
Du hast mich in die Tiefe geworfen, / in das Herz der Meere; mich umschlossen die Fluten, / all deine Wellen und Wogen schlugen über mir zusammen.
Ich dachte: Ich bin aus deiner Nähe verstoßen. / Wie kann ich deinen heiligen Tempel wieder erblicken?
Das Wasser reichte mir bis an die Kehle, / die Urflut umschloss mich; / Schilfgras umschlang meinen Kopf.
Bis zu den Wurzeln der Berge, / tief in die Erde kam ich hinab; / ihre Riegel schlossen mich ein für immer. Doch du holtest mich lebendig aus dem Grab herauf, / Herr, mein Gott.
Als mir der Atem schwand, dachte ich an den Herrn / und mein Gebet drang zu dir, / zu deinem heiligen Tempel.
Wer nichtige Götzen verehrt, / der handelt treulos.
Ich aber will dir opfern / und laut dein Lob verkünden. Was ich gelobt habe, will ich erfüllen. / Vom Herrn kommt die Rettung.
Da befahl der Herr dem Fisch, Jona ans Land zu speien.

Die Bibel: Jona 2,1-11

Der Prophet über den Erlöser und Messias:

Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze;
das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.
Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt,
er bringt den Völkern das Recht.

Er schreit nicht und lärmt nicht
und läßt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen.

Das geknickte Rohr zerbricht er nicht,
und den glimmenden Docht löscht er nicht aus;
ja, er bringt wirklich das Recht.

Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen,
bis er auf der Erde das Recht begründet hat.
Auf sein Gesetz warten die Inseln.

So spricht Gott, der Herr,
der den Himmel erschaffen und ausgespannt hat,
der die Erde gemacht hat und alles, was auf ihr wächst,
der den Menschen auf der Erde den Atem verleiht
und allen, die auf ihr leben, den Geist:

Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen,
ich fasse dich an der Hand.

Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt,
der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein:
blinde Augen zu öffnen,
Gefangene aus dem Kerker zu holen
und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien.

Ich bin Jahwe, das ist mein Name.

Die Bibel: Prophet Jesaja 42,1-8

So spricht Gott:

Ich wollte schon immer mit dir reden,
aber du hast mir keine Zeit gelassen.
Ich wollte dir schon immer sagen:
"Ich bin für dich da!"
Aber du hattest Angst.

Ich wollte dir schon immer sagen:
"Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir."
Aber du hast mir nicht geglaubt,
sondern mich für fern, für abwesend, für tot gehalten

Ich wollte schon immer mit dir reden,
aber du hast mich nicht ausreden lassen,
denn es steht dir frei,
dich zu entscheiden,
ob du mir zuhörst
oder ob du abschalten willst.

Wenn du bereit bist, auf meine Worte zu hören,
dann möchte ich dir sagen:
"Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt."

Meine Liebe bleibt seit Ewigkeit gleich.
Ob du dich abwendest oder mir zuwendest;
ich liebe dich!

Weil du lebst, liebe ich dich.
Weil du Mensch bist, liebe ich dich.
Weil du dich entfaltest, liebe ich dich.
Weil du der Erde gehörst, liebe ich dich.
Weil du dich in Raum und Zeit,
in einem bestimmten Raum
und in einer bestimmten Zeit
bewähren mußt, liebe ich dich.
Weil du nicht ohne Hoffnung und Glauben
leben kannst, liebe ich dich.
Mit ewiger Liebe, liebe ich dich.

Du kannst dich mir anvertrauen.
Ich habe Zeit für dich.
Wann immer, wo immer, wie oft immer.
In der Nacht, am Tag,
komm zu mir, setz dich hin,
du brauchst mir nichts zu erzählen.
Ich sehe dich.

Wenn du willst, kannst du reden.
Rede, schreie, fluche, bete,
bete an, lauf fort, komm wieder,
mit ewiger Liebe liebe ich dich.
Meine Liebe zu dir war schon längst wirksam,
bevor du auf die Welt gekommen bist.
Ich liebe dich.

Weil ich dich liebe, bleibst du.
Du wirst nicht sterben.
Ich kann dich nicht vernichten,
weil ich dich liebe.
Was immer du tust, ich gehe mit dir.
Verläßt schon eine Mutter ihr Kind nicht,
auch wenn es etwas Böses tut,
so verlasse ich dich auf keinen Fall,
denn ich liebe dich.

Laß dich lieben!
Öffne dich, laß dich von mir lieben.
Laß dich lieben von den Hügeln,
die du siehst.
Laß dich lieben von den Bergen,
laß dich lieben vom Blumenfeld,
und laß dich lieben vom Quellwasser.
Laß dich lieben von den Menschen,
die dir zulächeln,
laß dich lieben von den Menschen,
die mit dir zusammen sind.

Laß dich lieben!
Laß dich lieben von der Erde,
und laß dich lieben von den Sternen.

Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt,
Menschenkind,
ich kenne deine Geschichte,
mir ist nichts verborgen.
Ich warte, bis du ja zu mir sagst.
Ich möchte dich nicht erpressen.
Ich kreuze ab und zu deine Wege,
Ich warte hoffnungsvoll,
ansgstvoll auf dein Credo,
auf dein Vertrauen zu mir.

Ich habe nichts davon,
wenn du Angst hast vor mir,
aber um dein Vertrauen zu erreichen,
tu ich, dein Gott, alles für dich.

AMEN.

Martin Gutl

"Ich ging als Bettler von Tür zu Tür die Dorfstraße entlang.

Da erschien in der Ferne dein goldener Wagen wie ein schimmernder Traum,
und ich fragte mich, wer dieser König der Könige sei.
Hoffnung stieg in mir auf:
Die schlimmen Tage sind vorüber;
ich erwartete Almosen, die geboten wurden, ohne daß man um sie bat, und Reichtümer, die in den Sand gestreut wurden.
Der Wagen hielt an, wo ich stand.
Dein Blick fiel auf mich, und mit einem Lächeln stiegst du aus.
Endlich fühlte ich mein Lebensglück kommen.
Dann strecktest du plötzlich die rechte Hand aus und sagtest:

"Was hast du mir zu schenken?"
Welch königlicher Scherz war das, bei einem Bettler zu betteln!
Ich war verlegen, stand unentschlossen da, nahm schließlich aus meinem Beutel ein winziges Reiskorn und gab es dir.
Doch wie groß war mein Erstaunen, als ich am Abend meinen Beutel umdrehte und zwischen dem wertlosen Plunder das kleine Korn wiederfand - zu Gold verwandelt.
Da habe ich bitterlich geweint, und es tat mir leid, daß ich nicht den Mut gefunden hatte, dir mein Alles zu geben."

Rabindranath Tagore, Indien

Steh froh auf zu deinem Werktage, wenn du es kannst. Und kannst du es nicht, was hindert dich daran? Ist da etwas Schweres im Wege? Was hast du gegen das Schwere? Dass es dich töten kann? Es ist also mächtig und stark. Das weißt du von ihm. Und was weißt du vom leichten? Nichts. An das Leichte haben wir gar keine Erinnerung. Selbst wenn du also wählen dürftest, müsstest du nicht eigentlich das Schwere wählen? Fühlst du nicht, wie verwandt es mit dir ist? Ist es nicht das eigentlich Heimatliche? Und bist du nicht im Einklang mit der Natur, wenn du es wählst? Meinst du, dem Keim wäre es nicht leichter in der Erde zu bleiben? Oder haben es die Zugvögel nicht schwer, und die wilden Tiere, die für sich sorgen müssen?

Sieh: es gibt gar nicht ein Leichtes und ein Schweres. Das Leben selbst ist das Schwere. Und leben willst du doch? Du irrst also, wenn du das Pflicht nennst, dass du das Schwere auf dich nimmst. Es ist der Selbsterhaltungstrieb, was dich dazu drängt. Was aber ist denn Pflicht? Pflicht ist das Schwere zu lieben. Dass du es trägst, will wenig sagen, du musst es wiegen und einsingen und du musst da sein, wenn es dich braucht. Und es kann dich jeden Augenblick brauchen.

So groß muss deine Hilfsbereitschaft und deine Güte sein, dass du es verwöhnst, dein Schweres, dass es nicht sein kann ohne dich, dass es von dir abhängig wird wie ein Kind. Hast du es erst so weit gebracht, so wirst du nicht wollen, dass jemand komme und es dir abnähme.

Und du bringst es so weit durch die Liebe. Lieben ist schwer. Und wenn einer dich lieben heißt, so gibt er dir eine große Aufgabe; aber keine unmögliche. Denn er heißt dich nicht einen Menschen lieben, was nichts für Anfänger ist, und er verlangt nicht von dir, dass du Gott lieben sollst, was nur die Reifsten können. Er weist dich nur auf dein Schweres hin, welches dein Dürftigstes ist und dein Fruchtbarstes zugleich. Das Leichte, siehst du, will nichts von dir; aber das Schwere wartet auf dich, und du hast keine Kraft, die da nicht nötig wäre, und, auch wenn dein Leben sehr lang ist, bleibt dir kein Tag für das Leichte übrig, das deiner spottet.

Geh hinein in dich und baue an deinem Schweren. Dein Schweres soll sein wie ein Haus in dir, wenn du selbst wie ein Land bist, das sich mit den Gezeiten verändert. Gedenke, dass du kein Stern bist: du hast keine Bahn.

Du musst für dich selbst eine Welt sein und dein Schweres muss in deiner Mitte sein und dich anziehen. Und eines Tages wird es wirken über dich hinaus mit seiner Schwerkraft auf ein Schicksal, auf einen Menschen, auf Gott. Dann kommt Gott in dein Schweres wenn es fertig ist. Und welche Stelle wüsstest du sonst, um mit ihm zusammen zu kommen?

Rainer Maria Rilke

Jesus und Petrus auf dem Wasser Diese Geschichte gefällt mir so gut, da sich in ihr mein Leben so gut widerspiegelt: Meine Angst vor Unbekanntem, mein Bedürfnis nach Sicherheit und die Zusage Jesu: Wenn dir das Wasser bis zum Hals steht, dann rette ich dich!

Gleich darauf schickte Jesus seine Jünger im Boot voraus ans andere Seeufer. Er selbst ließ die Leute nach Hause gehen und stieg dann allein auf einen Berg, um zu beten.
Als es dunkel wurde, war er immer noch dort.
Das Boot mit den Jüngern war inzwischen weit draußen auf dem See.
Der Wind trieb ihnen die Wellen entgegen und machte ihnen schwer zu schaffen.
Gegen Morgen kam Jesus auf dem Wasser zu ihnen.
Als sie ihn auf dem Wasser gehen sahen, erschraken sie. Sie meinten, es sei ein Gespenst, und schrien vor Angst.
Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte:
"Habt Vertrauen, ich bin's; fürchtet euch nicht!"
Da sagte Petrus: "Herr, wenn du es wirklich bist, dann befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen!"
"Komm!" sagte Jesus.
Petrus verließ das Boot und ging auf dem Wasser auf Jesus zu.
Als er aber die hohen Wellen sah, bekam er Angst. Er begann zu sinken und schrie: "Hilf mir, Herr!"
Jesus streckte sofort seine Hand aus, faßte Petrus und sagte:
"Du hast zu wenig Vertrauen! Warum bist du so halbherzig?"
Dann stiegen beide ins Boot, und der Sturm legte sich.
Da warfen sich die Jünger im Boot vor Jesus nieder und riefen:
"Du bist wirklich der Sohn Gottes."

Die Bibel: Matthäus 14,22-33

Irgendwie mußt du

an mir interessiert sein,
mein Gott!
Sonst würdest du mich
in Ruhe lassen.
Würdest mich arbeiten,
Geld verdienen,
Urlaub machen,
spielen und lieben lassen,
ohne dich einzumischen.

Aber du bist wie ein Nagel im Schuh,
lang versteckt
und plötzlich spitz wieder da.
Wie ein Weisheitszahn,
der sich nach Jahren rührt.
Wie ein Stein,
über den man stolpert.

Wie ein Telegrammbote
nachts an der Tür.
Unangemeldet, beunruhigend!

Ich klage nicht, stelle nur fest:
Du gönnst mir immer nur Ruhe
für kurze Zeit.
Dann bist du wieder da,
legst dich quer. Bringst Unruhe!

Wenn du mich wachgemacht hast,
bin ich sogar dankbar dafür.
Ständig nur Ruhe,
das klappt die Augen zu,
macht das Herz fett.

Du unruhiger Gott,
vergiß aber nicht:
Ich brauche auch Stunden der Ruh,
um zu mir zu kommen.
Ich brauche jemanden,
bei dem ich Ruhe finde.

So bitte ich um beides:
Um Ruhe und Unruhe,
wie Flut und Ebbe,
wie Tag und Nacht.
Um Geborgenheit bei dir
und deinen Wecker,
wenn ich darin eingeschlafen bin.
Amen.

Autor unbekannt

Der Herr ist mein Hirte, / nichts wird mir fehlen.
Er lässt mich lagern auf grünen Auen / und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Er stillt mein Verlangen; / er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.
Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, / ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, / dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
Du deckst mir den Tisch / vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, / du füllst mir reichlich den Becher.
Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang / und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.

Die Bibel: Psalm 23

Ein junger Mann betrat im Traum einen Laden.

Hinter der Theke stand ein Engel.
Hastig fragt er ihn: "Was verkaufen Sie, mein Herr?"
Der Engel antwortete freundlich: "Alles, was Sie wollen."
Der junge Mann begann aufzuzählen:
"Dann hatte ich gern das Ende aller Kriege in der Welt, bessere Bedingungen für die Rand-gruppen der Gesellschaft, Beseitigung der Elendsviertel in Lateinamerika, Arbeit für die Arbeitslosen, mehr Gemeinschaft und Liebe in der Kirche und ... und ..."
Da fiel ihm der Engel ins Wort: "Entschuldigen Sie, junger Mann, Sie haben mich falsch verstanden.
Wir verkaufen keine Früchte, wir verkaufen nur den Samen."

Eines Abend kam der Wunsch in seine Seele, ein Bildnis zu schaffen von der Lust, die einen Augenblick verweilet. Und er ging hinaus in die Welt, um nach Bronze zu suchen. Denn er konnte nur in Bronze denken.

Doch die Bronze der ganzen Welt war verschwunden, und nirgends auf der ganzen Welt war Bronze zu finden, ausgenommen die Bronze des Bildes vom Leid, das ewig währet.

Nun hatte er dieses Bildnis selber mit seinen eigenen Händen geschaffen und es über dem Grabmal des einzigen Wesens aufgerichtet, das er in seinem Leben geliebt hatte. Über dem Grabmal des toten Wesens, das er am meisten geliebt, hatte er dies Werk seiner Hände aufgerichtet, dass es ein Zeichen der Menschenliebe sei, die nicht stirbt, und ein Sinnbild des Menschenleides, das ewig währet. Und auf der ganzen Welt gab es keine Bronze, ausgenommen die Bronze dieses Bildnisses.

Und er nahm das Werk, das er geschaffen, und stellte es in einen großen Schmelzofen und überließ es dem Feuer.

Und aus der Bronze des Bildnisses vom Leid, das ewig währet, schuf er ein Bildnis von der Lust, die einen Augenblick verweilet.

Oscar Wilde: Der Künstler; in: Werke in zwei Bänden, München 1970

Als sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber, als mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebhabe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer! Spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebhabe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich liebhabe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!


Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hin wolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hin willst.

Die Bibel: Johannesevangelium 21,15-18

Hinter seinem gütigen Blick

lag unendlich viel Trauer.
Er beherrschte sich sehr.
Sein Aussehen täuschte.
Er war nicht aus der Fassung zu bringen.
Seine Augen und Ohren
waren nach innen gewandt.
Er hörte die Vögel nicht singen.
Er sah die Bäume im Wald nicht mehr.
Er konnte nicht beten.
Bis eine Hand ihn berührte,
die ihn mit Liebe
aus dem Verlies
des eigenen Selbst
in die Weite des Kosmos führte.
Er entdeckte auf einmal
Vögel und Birken,
Menschen und Tiere als
Quellen der Freude.
Seit jener Stunde
sah er Gott in Menschengestalt
und war sich gewiss:
Er wird nie mehr
allein sein.

Kurt Marti, Der tanzende Hiob

Nimm den Stein fest in die Hand,

fühle ihn.
Er ist hart, so wie unser Herz es oft ist,
hart wie Stein.

Er ist kalt,
und aalglatt,
und gefühllos,
und kantig,
scharf und verletzend

Der Stein ist schwer.
Denke nun in ihn alles hinein, was dich belastet,
all deine Schuld,
all deine Angst,
all deine Agression,
all deine Wut.

Der Stein wird ganz schwer.
Er wird zum Zeichen, zum Symbol,
deines Versagens,
deines Mißtrauens,
deiner Lieblosigkeit,
deiner Unfähigkeit,
deiner Grenzen,
deiner Armut.

Diesen kalten, schweren Stein,
einen Teil deines Lebens,
wirst du allein nicht los.

Gewiß,
du kannst ihn wegschleudern auf andere,
doch bleibt er dein Stein.
Du kannst ihn beiseite legen und verstecken,
doch wirst du immer wieder über ihn stolpern.
Du kannst so tun, als gäbe es ihn nicht,
doch wirst du nicht aufhören, seine Last zu spüren.

Du bist allein mit deinem Stein,
verdammt, ihn zu tragen.
Er ist ein Teil von dir.
Ein Teil deines Lebens, deiner Geschichte.

Nur, wenn einer kommt
und seine Hand um dich legt, um deinen Stein,
wandelt sich deine Kälte um in Wärme.

Nur wenn einer kommt
und dir sagt, ich vergebe dir,
kannst du die Last deines Steines tragen - er-tragen.

Nur wenn einer kommt,
und dir sagt, ich liebe dich
auch mit deiner Schuld,
auch mit deiner Angst,
auch mit deiner Wut,
auch mit deiner Unfähigkeit,
auch mit deinen Grenzen.

Nur wenn so einer kommt,
kannst du lebendig werden.

Herr, erbarme dich unser.

Quelle unbekannt

von Richard Rohr

Von allen Weltreligionen hat das Christentum die größten Vorurteile gegen das Leibliche. Diese Theologie ist verhängnisvoll. Wenn ich der Satan wäre und das Christentum vernichten wollte, würde ich Überstunden machen, um die Christen dazu zu bringen, das Fleisch zu hassen. Dabei ist unsere Religion die einzige, die jemals behauptet hat, daß Gott Fleisch geworden ist. Ist das nicht widersinnig? Die Menschwerdung bedeutet, daß Gott aus dem Geist in das Wort und in das Fleisch eingegangen ist. Jesus hat einen Körper angenommen. Er hatte Geschlechtsorgane. Er hat geschwitzt. Er hatte Blähungen. Unser Glaube, daß Gott in diese Welt eingetreten ist, bedeutet einen ungeheuer kühnen Sprung. Und dennoch: ich bin in der Welt herumgereist und habe die verschiedensten Religionen kennengelernt, aber niemand hat eine so negative Einstellung dem Leib gegenüber, wie wir. Unser Körper muß Schuld und Schande tragen, bloß weil er ein Körper ist. Aber vielleicht ist das gar nicht so seltsam: das Böse verstellt sich dadurch, daß es das Gute verdreht.

Im Glaubensbekenntnis verkünden wir kühn, daß wir an die Auferstehung des Fleisches glauben. Was immer Gott also wirkt, das wirkt er nicht nur im Geist. Wo er rettet und erlöst, da geht es um dieses zusammengesetzte Etwas, dieses einmalige "Ich". Dadurch befreit Gott auch den Körper: während wir herumgehen und immer älter werden, erlöst er unseren Körper. Eine Mutter erzählte mir, wie ihr Dreijähriger dem Pfarrer zusah, als er sagte: "der Leib des Herrn". Da fragte der Kleine: "Ist auch sein Hinterteil dabei?" So handgreiflich wird das, beinahe sexuell oder kannibalisch: wir nehmen den Leib des Herrn in uns auf. Wir haben eine fleischgewordene Religion. Und wir schämen und fürchten uns schrecklich.

Ich meine, wir fürchten uns, weil der Leib Macht und Wahrheit bedeutet. Der Körper lügt nicht. Wir sprechen ja auch von wortloser Kommunikation. Mit dem Mund können wir auf vielerlei Weise lügen, aber der Körper sagt die Wahrheit; in der wortlosen Wirklichkeit verrät er sich. Unser Körper trägt all das Leid all der Ablehnung, die wir erfahren haben, seit man uns damals in der Volksschule nicht ins Fußballteam aufgenommen hat.

Anscheinend verlieren wir Männer viel eher die Beziehung dazu als die Frauen. Durch Tatsachen wie Schwangerschaft und Menstruation wird eine Frau notwendigerweise an ihren Körper erinnert. Frauen haben mehr Verständnis für eine somatische körperliche Theologie. Sie können eher begreifen, daß sich die Wahrheit körperlich ausdrückt, weil sie erlebt haben, daß aus ihrem Leib ein neuer Leib entstanden ist. Es scheint, daß eine Frau durch dieses Wunder auf Dauer verwandelt wird. Die Frau erlebt, daß dieser Körper auch bereits Geist ist.

Wir Männer verstehen das nicht; wir haben keine Beziehung dazu. Der Vater kann seinen Samen spenden und sich dann verabschieden. Er erfährt nicht das organische Wachsen und das Wunder, das aus dem Körper kommt, unser Verständnis für den Körper gerät ins Hintertreffen. Weitere Hemmungen und Komplikationen rühren daher, daß wir Berührung sofort mit Sex gleichsetzen. In meiner Eheberatung habe ich Paare ermutigt, im körperlichen Kontakt Freude zu finden, ohne dabei an Orgasmus zu denken. Einfach einmal die Arme streicheln, sich an den Vertiefungen einer Hand erfreuen, und dabei wissen, daß solche Berührung den Partner beglückt. Jesus hat anscheinend darum gewußt. In seinem Dienst an den Menschen hat er sie immer wieder berührt. Niemals hat er sich sozusagen antiseptisch auf eine bloß verbale Verkündigung beschränkt, - stets gab es da auch etwa eine Handauflegung; er suchte die körperliche Beziehung zu den Menschen. Er erlaubte jener Frau, ihm die Füße zu waschen, er war völlig damit einverstanden, daß Johannes seinen Kopf an seine Brust lehnte. Heute könnten wir uns kaum vorstellen, daß in einer Gruppe von Männern einer seinen Kopf an die Brust des anderen lehnt. Ein deutliches Zeichen, von wieviel Unnatürlichkeit und Homophobie unsere Kultur geprägt ist. Für uns heißt Berührung Sex, sonst nichts. Wir können nicht Hände halten, nicht Verbindungen herstellen - es macht uns Angst.

In der katholischen Kirche wird Sakrament definiert als äußeres Zeichen innerer Gnade. Wir sollten ein Sakrament feiern, das ich das achte Sakrament, - das vergessene, nenne. Die Fußwaschung, die körperliche Berührung, die Mitteilung des Mysteriums durch Berührung. Wir glauben an die Auferstehung des Fleisches. Wir glauben, daß Gott unseren Körper liebt. Wir empfangen körperlich den Leib des Herrn; und wir leben als Tempel in dieser Welt. Im ersten christlichen Jahrtausend waren die Menschen das Kirchenvolk, der wahre Leib Christi, "corpus verum". Die Eucharistie war der mystische Leib, "corpus mysticum". Durch das Brot wurde der wahre Leib daran erinnert, daß er der wahre Leib ist. Im zweiten Jahrtausend wurde dieses Verständnis fast völlig ins Gegenteil verkehrt. Nun waren wir der "mystische Leib", die Eucharistie wurde "corpus verum". Ich meine, daß das erste Jahrtausend dem Mysterium der Menschwerdung näher stand. Tatsächlich macht uns, nach so vielen Jahrhunderten, die "Schande" unserer Menschwerdung noch immer zu schaffen.

(Richard Rohr, Quest for the Grail, Crossroad Publishing Co., zit. in: Kirche Intern 12/94, Seite 38)

Wenn es dämmert

in meiner Seele
nach langer Nacht
vernehme ich in der Ferne
das Krähen eines Hahnes
und bei seinem dritten Schrei
weiß auch ich
wen ich
verraten
habe

Margit Bickl

Die schwersten Wege

werden alleine gegangen,
die Enttäuschung, der Verlust,
das Opfer,
sind einsam.

Selbst der Tote der jedem Ruf antwortet
und sich keiner Bitte versagt
steht uns nicht bei
und sieht zu
ob wir es vermögen.
Die Hände der Lebenden die sich ausstrecken
ohne uns zu erreichen
sind wie die Äste der Bäume im Winter.
Alle Vögel schweigen.
Man hört nur den eigenen Schritt
und den Schritt den der Fuß
noch nicht gegangen ist aber gehen wird.
Stehenbleiben und sich Umdrehn
hilft nicht. Es muss
gegangen sein.

Nimm eine Kerze in die Hand
wie in den Katakomben,
das kleine Licht atmet kaum.
Und doch, wenn du lange gegangen bist,
bleibt das Wunder nicht aus,
weil das Wunder immer geschieht,
und weil wir ohne die Gnade
nicht leben können:
die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags,
du bläst sie lächelnd aus
wenn du in die Sonne trittst
und unter den blühenden Gärten
die Stadt vor dir liegt,
und in deinem Hause
dir der Tisch weiß gedeckt ist.
Und die verlierbaren Lebenden
und die unverlierbaren Toten
dir das Brot brechen und den Wein reichen -
und du ihre Stimmen wieder hörst
ganz nahe
bei deinem Herzen.

Hilde Domin

Elija ging eine Tagereise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter. Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein.
Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh auf und iß! Als er um sich blickte, sah er neben seinem Kopf Brot, das in glühender Asche gebacken war, und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder hin.
Doch der Engel des Herrn kam zum zweitenmal, rührte ihn an und sprach: Steh auf und iß! Sonst ist der Weg zu weit für dich.
Da stand er auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.
Dort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten.
Doch das Wort des Herrn erging an ihn: Was willst du hier, Elija?
Er sagte: Mit leidenschaftlichem Eifer bin ich für den Herrn, den Gott der Heere, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übriggeblieben, und nun trachten sie auch mir nach dem Leben.
Der Herr antwortete: Komm heraus, und stell dich auf den Berg vor den Herrn!
Da ging der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriß und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm.
Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben.
Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer.
Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln.
Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.

Die Bibel: 1 Könige 19,4-13

Weihnachten: Die Sehnsucht Gottes ist der Mensch!
Warum hat sich Gott eröffnet?
Augustinus gibt eine herrliche, die einzigstmögliche Antwort:
"Die Sehnsucht Gottes ist der Mensch."
Ein ungeheuerliches Wort - denn Sehnsucht kommt nicht vom Suchen,
sondern von "siech" = krank.
Gott ist - in menschlicher Sprache ausgedrückt - geradezu krank
vor Heimweh nach dem Menschen.
Weil Gott nach dem Menschen Heimweh hat,
geht er in seinem Sohn von Haus zu Haus, von Tür zu Tür und klopft an:
"Darf ich kommen ?"
Gott ist immer wie der Vater,
der auf die Rückkehr des verlorenen Sohnes wartet und
- da er es nicht erwarten kann vor lauter Sehnsucht -
ihm entgegengeht.

Weihnachten ist das Fest vom Heimweh,
vom Entgegenkommen Gottes.
Und wenn Gott an eine Türe kommt, poltert er nicht.
Obwohl un-endlich, kommt er behutsam!
Die Juden wußten um die Behutsamkeit Gottes.
Darum lassen sie bei der Passahfeier die Tür einen Spalt breit auf,
damit der hohe Gast nicht zu warten braucht:
Die Sehnsucht Gottes ist der Mensch.

Im Bedenken dieses Tuns Gottes in dieser Nacht
ändert sich die Einstellung zu diesem Gott und zu unserem Leben grundsätzlich:
Wir lassen den Spalt offen für das Kommen unseres Gottes,
in diesem Kind auch zu mir!

Aus den "Persönlichen Aufzeichnungen" von Anton Kner

Im Himmel werden wir uns über dreierlei wundern:

  1. Menschen zu treffen, die wir dort nie vermutet hätten.
  2. Menschen nicht zu treffen, die wir dort erwartet hätten.
  3. Uns selbst dort zu treffen

Voltaire

Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich.

Ob ich sitze oder stehe du weißt von mir.
Von fern erkennst du meine Gedanken.

Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt;
du bist vertraut mit alI meinen Wegen.
Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge -
du, Herr, kennst es bereits.
Du umschließt mich von allen Seiten
und legst deine Hand auf mich.
Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen,
zu hoch, ich kann es nicht begreifen.
Wohin könnte ich fliehen vor deinem Geist,
wohin mich vor deinem Angesicht fIüchten?
Steige ich hinauf in den Himmel, so bist du dort;
bette ich mich in der Unterwelt, bist du zugegen.
Nehme ich die Flügel des Morgenrots
und lasse mich nieder am äußersten Meer,
auch dort wird deine Hand mich ergreifen
und deine Rechte mich fassen.
Würde ich sagen: "Finsternis soll mich bedecken,
statt Licht soll Nacht mich umgeben",
auch die Finsternis wäre für dich nicht finster,
die Nacht würde leuchten wie der Tag,
die Finsternis wäre wie Licht.
Denn du hast mein Inneres geschaffen,
mich gewoben im Schoß meiner Mutter.
Ich danke dir, daß du mich so wunderbar gestaltet hast.
Ich weiß: Staunenswert sind deine Werke.
Als ich geformt wurde im Dunkeln,
kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde,
waren meine Glieder dir nicht verborgen.
Deine Augen sahen, wie ich entstand;
in deinem Buch war schon alles verzeichnet;
meine Tage waren schon gebildet,
als noch keiner von ihnen da war.
Wie schwierig sind für mich, o Gott, deine Gedanken,
wie gewaltig ist ihre Zahl!
Wollte ich sie zählen, es wären mehr als der Sand.
Käme ich bis zum Ende, wäre ich noch immer bei dir.
Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz,
prüfe mich und erkenne mein Denken!
Sieh her, ob ich auf dem Weg bin, der dich kränkt,
und leite mich auf dem altbewährten Weg!

Die Bibel: Psalm 139: Verse 1-18. 23-24

Laura Schlessinger ist eine US-Radio-Moderatorin, die Leuten, die in ihrer Show anrufen. Ratschläge erteilt.

Kürzlich sagte sie, als achtsame Christin, dass Homosexualität unter keinen Umständen befürwortet werden kann, da diese nach Leviticus 18:22 ein Greuel wäre.

Der folgende Text ist ein offener Brief eines US-Bürgers an Dr. Laura, der im Internet verbreitet wurde.

********************
Liebe Dr. Laura

Vielen Dank, dass Sie sich so aufopfernd bemühen, den Menschen die Gesetze Gottes näher zu bringen.
Ich habe einiges durch Ihre Sendung gelernt und versuche das Wissen mit so vielen anderen wie nur möglich zu teilen.
Wenn etwa jemand versucht seinen homosexuellen Lebenswandel zu verteidigen, erinnere ich ihn einfach an das Buch Mose 3, Leviticus 18:22, wo klargestellt wird, dass es sich dabei um ein Greuel handelt. Ende der Debatte.

Ich benötige allerdings ein paar Ratschläge von Ihnen im Hinblick auf einige der speziellen Gesetze und wie sie zu befolgen sind:

a) Wenn ich am Altar einen Stier als Brandopfer darbiete, weiß ich, dass dies für den Herrn einen lieblichen Geruch erzeugt (Lev. 1:9). Das Problem sind meine Nachbarn. Sie behaupten, der Geruch sei nicht lieblich für sie. Soll ich sie niederstrecken?

b) Ich würde gerne meine Tochter in die Sklaverei verkaufen, wie es in Exodus 21:7 erlaubt wird. Was wäre Ihrer Meinung nach heutzutage ein angemessener Preis für sie?

c) Ich weiß, dass ich mit keiner Frau in Kontakt treten darf, wenn sie sich im Zustand ihrer menstrualen Unreinheit befindet (Lev. 15:19-24). Das Problem ist, wie kann ich das wissen? Ich hab versucht zu fragen, aber die meisten Frauen reagieren darauf pikiert.

d) Lev. 25:44 stellt fest, dass ich Sklaven besitzen darf, sowohl männliche als auch weibliche, wenn ich sie von benachbarten Nationen erwerbe. Einer meiner Freunde meint, dass würde auf Mexikaner zutreffen, aber nicht auf Kanadier. Können Sie das klären? Warum darf ich keine Kanadier besitzen?

e) Ich habe einen Nachbarn, der stets am Samstag arbeitet. Exodus 35:2 stellt deutlich fest, dass er getötet werden muss. Allerdings: bin ich moralisch verpflichtet ihn eigenhändig zu töten?

f) Ein Freund von mir meint, obwohl das Essen von Schalentieren, wie Muscheln oder Hummer, ein Greuel darstellt (Lev. 11:10), sei es ein geringeres Greuel als Homosexualität. Ich stimme dem nicht zu. Könnten Sie das klarstellen?

g) In Lev. 21:20 wird dargelegt, dass ich mich dem Altar Gottes nicht nähern darf, wenn meine Augen von einer Krankheit befallen sind. Ich muss zugeben, dass ich Lesebrillen trage. muss meine Sehkraft perfekt sein oder gibt's hier ein wenig Spielraum?

h) Die meisten meiner männlichen Freunde lassen sich ihre Haupt- und Barthaare schneiden, inklusive der Haare ihrer Schläfen, obwohl das eindeutig durch Lev. 19:27 verboten wird. Wie sollen sie sterben?

i) Ich weiß aus Lev. 11:16-8, dass das Berühren der Haut eines toten Schweines mich unrein macht. Darf ich aber dennoch Fußball spielen, wenn ich dabei Handschuhe anziehe?

j) Mein Onkel hat einen Bauernhof. Er verstößt gegen Lev. 19:19 weil er zwei verschiedene Saaten auf ein und demselben Feld anpflanzt. Darüber hinaus trägt seine Frau Kleider, die aus zwei verschiedenen Stoffen gemacht sind (Baumwolle/Polyester). Er flucht und lästert außerdem recht oft. Ist es wirklich notwendig, dass wir den ganzen Aufwand betreiben, das komplette Dorf zusammenzuholen, um sie zu steinigen (Lev. 24:10-16)? Genügt es nicht, wenn wir sie in einer kleinen, familiären Zeremonie verbrennen, wie man es ja auch mit Leuten macht, die mit ihren Schwiegermüttern schlafen? (Lev. 20:14)

Ich weiß, dass Sie sich mit diesen Dingen ausführlich beschäftigt haben, daher bin ich auch zuversichtlich, dass Sie uns behilflich sein können. Und vielen Dank nochmals dafür, dass Sie uns daran erinnern, dass Gottes Wort ewig und unabänderlich ist.

Ihr ergebener Jünger und bewundernder Fan

Jake

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